Unser Kinderschutzkonzept
1. Verhaltenskodex
Ich verpflichte mich als Mitarbeitender der Pädagogischen Gemeinschaft Impuls e.V., das Wohl von Kindern stets zu achten und zu schützen, indem ich diesen Verhaltenskodex sowie die darin enthaltenen Grundhaltungen und Verhaltensweisen jederzeit einhalte.
Unsere eigene pädagogische Haltung gegenüber Kindern und Familiensystemen:
• Wir setzen auf einen kooperativen Beziehungsaufbau, der unabhängig von Geschlecht, Sexualität, sozialer Herkunft, Religion und persönlichen Überzeugungen stattfindet.
• Wir positionieren uns klar und konsequent gegen diskriminierende, sexualisierte oder gewaltvolle Sprache, sowie Handlungen und Verhaltensweisen und treten diesen mit Entschlossenheit entgegen.
• Wir arbeiten transparent und nachvollziehbar, stets orientiert an fachlichen Standards der Hansestadt Rostock.
Unsere Sprache ist unser wichtigstes Wirkinstrument:
• Wir formulieren unsere Sprache verständlich und adressatenorientiert.
• Wir setzen auf respektvolle, wertschätzende und empathische Kommunikation.
• Wir achten mit Bedacht auf eine kommunikative Grenzsetzungsnotwendigkeiten, um sichere Rahmen zu schaffen.
Unsere offene Fehler- und Reflexionskultur:
• Wir begegnen Fehlern mit Offenheit und Bewusstheit, da sie wertvolle Lern- und Veränderungsmöglichkeiten bieten. Fehler sehen wir als Lernaufgabe für die Zukunft.
• Fehler betrachten wir als Reflexionsmarker und gehen damit in einem offenen, konstruktiven und lösungsorientierten Umgang miteinander um.
• Wir schaffen geschützte Räume, in denen Fehler offen angesprochen werden können. Dabei nutzen wir aktiv Supervision, Team- und Tandemgespräche und fördern Transparenz im Team. Bei Bedarf holen wir externe Expertise hinzu.
• Wir übernehmen Verantwortung für unsere Fehler und sind bereit, aus Fehlern zu lernen und uns kontinuierlich zu verändern.
Unser Verhältnis von Nähe / Distanz:
• Für uns ist das richtige Maß an Nähe und Distanz eine entscheidende Schutzfunktion für eine gelingende Arbeit.
• Körperkontakte sind nicht zwingend notwendig und werden stets mit Achtsamkeit gehandhabt.
• Wir verweigern Nähe nicht, sondern erwidern diese professionell, wobei wir stets darauf achten, die Grenzen der Adressat*innen zu respektieren und die professionelle Distanz zu wahren.
• Wir gehen vertrauensvoll mit Informationen um und respektieren den Vertrauensvorschuss, den uns Adressat*innen entgegenbringen. Dabei sind wir uns der Verantwortung bewusst, die damit einhergeht.
Unser fachlicher Anspruch:
• Unsere sozialpädagogische Fachlichkeit sichert und schützt das Wohl der Kinder.
• Fachlichkeit ist ein fortlaufender Prozess, den wir aktiv weiterentwickeln. Wir verpflichten uns daher zu regelmäßiger Weiterbildung.
• Wir nutzen Multiprofessionalität als Prinzip, indem wir den kooperativen Austausch individueller Kompetenzen aktiv fördern.
• Wir evaluieren unser Kinderschutzkonzept regelmäßig, alle zwei Jahre, und überprüfen dabei Abläufe, Standards und Praktiken.
• Wir sind bereit, unser sozialpädagogisches Verhalten kooperativ zu reflektieren und setzen hierzu Supervision, Team- und pädagogische Runden sowie andere Reflexionsformate ein.
2. Prävention
Prävention bedeutet für uns eine strukturierte pädagogische Maßnahme zur Reduzierung von Risikofaktoren und Steigerung von Schutzfaktoren für die Gewährleistung des Kindeswohls. Dies betrifft die gemeinsame Zusammenarbeit zwischen Träger, Mitarbeitenden und Adressat*innen auf folgenden präventiven Ebenen.
Prävention für Adressant*innen
• Eltern und Sorgeberechtigte2 werden über ihre Rechte und Pflichten im Rahmen des Kinderschutzes transparent aufgeklärt. Wir informieren über mögliche Angebote von Prävention und setzen diese in unserer pädagogischen Arbeit aktiv um. Wenn erforderlich stellen wir Kontakt zu spezialisierten Fachstellen her und Krisen- und Interventionspläne auf.
• Im Rahmen des Kinderschutzes beraten wir Eltern und Sorgeberechtigte zu relevanten Themen wie dem Erkennen und Einschätzen von Gefährdungssituationen, der Stärkung der Erziehungskompetenz, dem Umgang mit familiären Konflikten und Schaffung eines sicheren, entwicklungsförderlichen Umfeldes.
• Kinderrechte werden aktiv vermittelt und durch unser Verhalten vorgelebt. Kinder werden ermutigt, ihre Meinung zu äußern und ihre Hilfe aktiv mitzugestalten. Wir begegnen ihnen mit einer grenzsensiblen Haltung und unterstützen sie dabei, ihre eigenen Grenzen klar zu kommunizieren.
• Wir informieren Kinder und Familien über bestehende Präventionsangebote und stellen Informationsmaterial bereit.
Prävention im Bereich Mitarbeitenden
• Wir verfügen über hohes pädagogisches Fachwissen und verschiedene spezielle Zusatzqualifikationen. Wir können unsere vielseitigen Kompetenzen im Rahmen des Kinderschutzes umsetzen und zeigen fortlaufend Bereitschaft zu Weiterbildung. Es gibt mehrere Kinderschutzfachkräfte in unserem Team.
• Trägerinterne Abläufe bei einer Kindeswohlgefährdung werden regelmäßig evaluiert und Schlussfolgerungen gezogen z.B. spezifische Weiterbildungen, Veränderungen der Prozesse der Gefährdungseinschätzungen.
• In unserer ständigen prozessorientierten Arbeit nutzen wir Netzwerk- und Kooperationspartner*innen und sind in Gremienarbeit aktiv tätig. Denn eine zweckgerichtete multiprofessionelle Zusammenarbeit bildet die Grundlage unseres Schutzansatzes und dient der effizienten Nutzung von Ressourcen. Bei Bedarf suchen wir gezielt Unterstützung und empfehlen die Hinzuziehung von Fachexpert*innen.
Prävention bei unserem Träger
• Unsere Mitarbeitende werden mit einer spezifischen und unter kinderschutzorientierten Stellenausschreibung sowie -beschreibung und mittels eines persönlichen Vorstellungsgesprächs ausgewählt. Unsere Vorstellungsgespräche erfolgen im Mehraugenprinzip und beinhalten u.a. Fragen zur pädagogischen Haltung, Arbeitsweise sowie zum Kinderschutz.
• Ein qualifizierter pädagogischer Studienabschluss und das erweiterte Führungszeugnis sind bei uns Standard und Voraussetzung. Der Verhaltenskodex muss mit Vertragsabschluss akzeptiert werden, und das Schutzkonzept wir als Anhang zum Arbeitsvertrag beigefügt. Es finden regelmäßige Personalgespräche zum Thema Kindeswohl statt (mindestens einmal jährlich). Zudem existiert ein spezielles Einarbeitungskonzept zum Kindeswohl für neue Mitarbeitende, um die Einhaltung der Standards zu gewährleisten.
• Die Qualitätssicherung wird durch den Träger gewährleistet, u. a. durch jährliche Weiterbildungen im Kinderschutz, Supervisionen, kollegiale Fallberatungen, wöchentliche Teamsitzungen und die regelmäßige Überprüfung des erweiterten Führungszeugnisses alle drei Jahre.
• Die regelmäßige interne Analyse von Risikofaktoren und Schutzfaktoren, einschließlich Arbeitsschutz, Brandschutz, Datenschutz und Erste Hilfe, trägt entscheidend zur Verbesserung des Kinderschutzes in unserer Einrichtung bei.
3. Partizipation
Partizipation ist für uns ein Teil des Kinderschutzes, weil wir Adressat*innen aktiv in Entscheidungen einbeziehen und dadurch Selbstwirksamkeit und -schutz ermöglicht und gestärkt wird.
Partizipation im Bereich von Kindern realisieren wir durch:
• Wir beziehen Kinder aktiv in die sie betreffenden Entscheidungsprozesse des Hilfeplanverfahrens ein.
• Wir wenden partizipative Methoden gezielt in Familiensystemen an.
• Unsere Kommunikationskultur basiert auf den Prinzipien der Partizipation: Wir hören aktiv zu, nehmen die Wünsche der Kinder wahr und ermutigen sie, ihre Meinung zu äußern und an Entscheidungsprozessen mitzuwirken.
• Wir beziehen Kinder aktiv und entwicklungsgemäß in Reflexionsprozesse ein.
Partizipation im Bereich von Eltern / Sorgeberechtigten realisieren wir durch:
• Wir beziehen die Eltern und Sorgeberechtigte aktiv, transparent und regelmäßig in den Hilfeprozess ein, z. B. durch die Mitgestaltung von Zielen und regelmäßige Reflexion im Hinblick auf die Erfüllung von Aufgaben und Zielen.
• Wir fördern die aktive Mitgestaltung im Hilfeplanprozess, indem wir eine Fehlerfreundlichkeit schaffen und Unterstützung zur nachhaltigen Selbsthilfe und -wirksamkeit bieten.
• Wir klären über den Sinn, Ablauf und die Chancen kindlicher Mitbestimmung im Familiensystem auf und setzen sozialpädagogische Aktivitäten und Prävention gezielt ein.
Partizipation im Bereich von der Mitarbeitenden realisieren wir durch:
• Wir pflegen eine gelebte, offene Reflexionskultur, die sowohl kollegial als auch persönlich ist, z. B. in Teamsitzungen, Supervisionen, kollegialer Beratung und Fallreflexion.
• Wir bieten die Möglichkeit zur aktiven Beteiligung an konzeptionellen Entwicklungen und Evaluierungen.
• Unser Träger ermöglicht uns flexibles und autonomes Arbeiten als Grundprinzip im multiprofessionellen Team, indem wir Handlungsspielraum, freie Methodenwahl und die Auswahl von Fort- und Weiterbildungen erhalten – eine grundlegende Voraussetzung für Partizipation.
4. Beschwerdemanagement
Unser Beschwerdemanagement verfolgt das klare Ziel, das Wohl der Kinder bestmöglich zu schützen, zu fördern und rechtzeitig zu intervenieren. Jede Beschwerde wird von uns als wertvoller Impuls verstanden, der uns hilft, unsere Arbeit stetig zu verbessern. Durch eine offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen Beteiligten bearbeiten wir jede Beschwerde vertraulich und sorgfältig – bis eine klare und qualifizierte Antwort vorliegt.
Grundlage unseres Handelns ist die Überzeugung, dass jede Beschwerde von uns ernst genommen werden muss. Darum bieten wir niederschwellige Zugangsmöglichkeiten, wie z.B. persönliche Gespräche und Telefonate, Mailverkehr um Anliegen unkompliziert einzureichen. Wir vertrauen darauf, dass unsere Mitarbeitenden alle Beschwerden / Anliegen gewissenhaft weiterleiten und bearbeiten. Dabei verstehen wir Beschwerden nicht als Kritik, sondern als Chance zur Weiterentwicklung.
Allerdings gibt es eine Einschränkung: Anonyme Beschwerden können wir nicht qualifiziert beantworten. Da uns in diesen Fällen der direkte Austausch mit den Betroffenen fehlt, ist eine vollständige Klärung oft nicht möglich. Dennoch werden auch anonyme Hinweise dokumentiert und diese fließen als wertvolle Rückmeldung in unsere internen Prozesse ein. So tragen sie indirekt dazu bei, unsere Abläufe zu optimieren – immer mit dem Fokus auf das Kindeswohl.
Unser Beschwerdemanagement ist ein fester Bestandteil unserer Qualitätssicherung und -entwicklung und wird regelmäßig im Tätigkeitsbericht des Vorstands transparent dargestellt. Am Ende jedes Verfahrens stehen qualifizierte Antworten für die Beteiligten. Denn nur durch eine konstruktive Fehlerkultur und lösungsorientierte Kommunikation können wir unsere Arbeit kontinuierlich verbessern und den Schutz der Kinder gewährleisten.
5. Intervention
Im Rahmen der Überarbeitung unseres Kinderschutzkonzeptes wurde der interne Ablauf zur Wahrnehmung des Schutzauftrages angepasst. Alle Mitarbeitenden sind umfassend über gewichtige Anhaltspunkte informiert und kennen den festgelegten Ablauf nach § 8a sowie die Vorlage für die interne Interventionsvereinbarung. Diese Vereinbarung dient dem Schutz der Kinder, indem gemeinsam mit den Familien konkrete Ziele und Maßnahmen erarbeitet werden, um Gefährdungen zu minimieren und die zeitliche Kontrolle sicherzustellen. Zusätzlich stehen uns hilfreiche Werkzeuge wie Beobachtungsbögen und Ressourcenkarten zur Verfügung, die den Prozess unterstützen.